Dolmetschstrategien - die Grundlagen

Drei Strategien, ohne die man schnell den Faden verliert: Décalage, Stalling und Komprimieren

Um dolmetschen zu können, muss man Wörter in der eigenen und in der Fremdsprache kennen, logisch. Weil ein Redner in der Realität aber nur in den seltensten Fällen durchgehend langsam, klar, gut strukturiert und leicht verständlich spricht, braucht man noch etwas mehr als das: Dolmetschstrategien.

1.) Die Décalage oder der Zeitabstand zum Redner

Wann beginne ich als Dolmetscher, selbst zu sprechen? Im Normalfall, sobald ich die erste Sinneinheit erfasst habe. Es kann aber vorkommen, dass man die Décalage spontan verkürzen oder vergrößern muss, zum Beispiel:

  • Zahlen sollte der Dolmetscher wenn möglich sofort übersetzen, denn er vergisst sie, wenn er zu lange wartet
  • Aufzählungen sollte man mit möglichst kurzem zeitlichen Abstand dolmetschen
  • Man sollte die Décalage größer werden lassen, wenn der Redner sehr langsam spricht, Sätze abbricht und Schleifen dreht.
2.) Hinauszögern: neutrale Aussagen einfügen um Zeit zu gewinnen

Manchmal dauert es eine Weile, bis der Redner etwas sagt, womit man arbeiten kann, bis man also die erste Sinneinheit hat. Hier hilft es, etwas Neutrales einzufügen, denn wartet man einfach ab, wird die Menge an Informationen, die man im "Zwischenspeicher" hat, viel zu groß.

3.) Den Sinn verstehen und zusammenfassen

Als Dolmetscher jeden abgebrochenen Satz und jede Schleife mitzusprechen, kostet viel zu viel Kraft und verbraucht viel zu viel Hirnkapazität. Den Sinn erfassen und die zu dolmetschende Aussage dann zusammengefasst wiedergeben, ist deshalb eine grundlegende Dolmetschstrategie.

Zu einer für das Konsekutivdolmetschen wichtigen Strategie, nämlich der Notizentechnik, geht es hier.

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